Es gibt viel zu erzählen! Die Überfahrt war trotz Kabine nicht so gut. Erstens wart das Schiff ein relativ kleiner alter Kahn und das Personal schlecht organisiert. Der Schlüssel der Kabine hat schon beim 2 mal nicht mehr funktioniert und es war niemand da um mir einen neuen zu geben. Erst nach einiger Zeit habe ich dann doch einen Ersatzschlüssel bekommen.
Wir haben dann mit gut einer Stunde Verspätung abgelegt und trotz ruhiger See hat der Kahn ganz erheblich geschaukelt.
Die Ankunft in Tunis war dann entsprechend auch eine Stunde später, dafür wurden wir bereits 3 Stunden vor Ankunft aus der Kabine verjagt. Da stellt sich die Frage warum man ein Kabine bucht, wenn man um 21:00 schon wieder raus muss. Naja - ist so.
Die Ankunft war dann easy weil wir glücklicherweise sehr günstig geparkt waren und ich das 4 Fahrzeug beim runterfahren von der Fähre war. Das brachte Riesen Vorteile bei der Abfertigung. Man muss bei diversen Schaltern und dann durch den großen Scanner und dann noch Zoll und Fahrzeug eintragen lassen und und und - UND das hat alles die Andi perfekt erledigt! Somit waren wir nach Ankunft der Fähre in weniger als einer Stunde aus dem Hafen draußen!
Die erste Nacht haben wir dann in Tunis verbracht - also die restlichen Stunden nach 01:00. Am nächsten Tag dann weiter nach Sidi Bou Said. Frühstück und ein kleiner Rundgang um die ersten Eindrücke zu sammeln und ja es ist definitiv nicht Europa!
Mittags dann weiter Richtung Nordwest. Und dann die erste Challenge. Zuerst hört die Asphaltstrasse auf und geht in eine Sandpiste über und dann beginnen noch Schlammlöcher. Man sieht nicht recht wie tief das Wasser ist und wir entscheiden mutig und beherzt mit etwas Schwung ab durch die Mitte. Ich denke, nach Tunesien müssen wir unser Wigerl mal waschen.
Das war dann doch nichts für uns und wir traten den Rückzug an. Durch Ortschaften wo wir durch Märkte durchfahren mussten - war das Wigerl also ein Einkaufswagerl - bis in den Yachthafen von Bizerta. Dort erstmal Anker werfen und der Magen meldet Hunger!
Gott Sei Dank ist gleich am Hafen ein super Lokal - aber mit Hund dürfen wir nicht rein. Also Orea ins Wigerl und dann weiter ins nächste Lokal, weil wir uns im letzten schlecht behandelt fühlten. Erstes Essen in Tunesien - viel und sehr gut!
Die Nacht im Hafen war ok und so ging's ausgeschlafen am nächsten Morgen in die Stadt. Zuerst zum Telecom Tunesia Laden, wo wir wieder wegen Orea rausgeschmissen wurden. Dafür wurde ich dann von der Chefin dort persönlich betreut!
"Online" geht's weiter über den Markt in die Medina, dann Café und Streetfood um gestärkt den Fischmarkt zu erkunden. Ein Erlebnis. Die Märkte kennen wir grundsätzlich ja schon aus Marokko, Hühner werden nach Kundenwunsch aus einem Käfig genommen und sogleich vom Kopf und den Federn befreit. Naja...
Den gekauften Fische werden wir heute am Rimel-Strand verspeisen.
Der Rimel-Strand ist eigentlich sehr schön - zumindest für Tunesien. Wenn man aber die letzen 4 Monate von Kroatien über Elba, Sardinien und Sizilien hierher kommt, dann denke ich, braucht man diese vermüllten Strände nicht ewig besuchen. Daher wollen wir morgen dann Richtung Süden weiter, denn Berberstädte und Wüste gibt es in Europa weniger.
Nachdem wir einen schönen Übernachtungsplatz am Plage Rimel gefunden hatten, Scampi und Fische gespeist hatten, machten wir es uns gemütlich. Lesen, Fernsehen, etc.
Um halb Zehn ging ich dann müde in mein Schlafzimmer, wo Orea und Andi sich bereits breit gemacht hatten (insbesondere Orea liebt mein Bett). Also mit Bestimmtheit mein Bett zurück erobert und Gute Nacht.
Ich war gerade mal so beim Eindösen, als ein Auto neben uns stehen blieb. Ein Auto mit Blaulicht und Uniformierten - die wollen uns nur eine Gute Nacht wünschen. Sie klopften und ich zog über meinen Pyjama eine Unterhose an und öffnete die Tür. Orea konnten wir inzwischen etwas beruhigen und ihr Gebell verstummte.
Die Polizisten hießen uns in Tunesien willkommen - gut!
Dann meinte der Eine , dass es hier nicht sicher sei und wir in den Hafern fahren sollten - nicht gut!
Andi packte ihr französisch aus und erklärte, dass wir bleiben möchten und gestern im Hafen waren.
Eine kurze Diskussion zwischen Polizei und Andi worauf der Polizist meinte, er müsse bei seinem Chef nachfragen. 15 Minuten später meinte er, dass auch sein Chef klar machte, wir müssen in den Hafen fahren. Wieder zeigte Andi ihm die französische Stirn und erklärte, dass wir bleiben wollen. Er erwiderte, dass er nun fahre aber eventuell noch einmal kommen würde. Gefahren ist er erst nach einer weiteren halben Stunde, während er mit laufendem Motor neben uns parkend laute arabische Musik spielte. Offensichtlich dachte er, dass wir klein bei geben und doch lieben in den ruhigeren Hafen fahren.
Andi war zufrieden und war sich sicher, dass das mit seinem Chef ein Bluff wäre und ich war gerade wieder beim Eintauchen ins Land der Träume, als erneut Autos kamen. Null Uhr und dieses Mal kamen 3 Polizeiautos mit einer ganzen Armee von Polizisten und es klopfte wieder. Und dieses Mal war tatsächlich der Chef der Truppe dabei. Umringt von seiner Armee verdeutlichte er der Andi, dass es hier nicht sicher sei und wir unbedingt in den Hafen fahren müssten. Er werde uns geleiten und wir sollen ihm folgen. Der Chef war sehr galant, höflich und gut aussehend was die Andi sofort zum Einlenken brachte und wir somit mit Polizeieskorte in den Hafen gebracht wurden.
Gute Nacht!
Was für eine Fahrt. Der Norden hat uns in Summe dann doch etwas enttäuscht was auch dem schlechten Wetter geschuldet war. Schlechte Straßen und einige sehr enge Stadt- Durchfahrten. Hier ist es besser Entfernungen in Stunden und nicht in Kilometern anzugeben. Die 15km an die algerische Grenze werden von Google mit 45 Minuten berechnet.
Die Highlights der heutigen Strecke:
1. Diesel kostet 65 Cent an einer Markentankstelle
2. Es gibt jede Menge Kansitertankstellen. Hier wird billiger Sprit aus Algerian an der Straße verkauft. Angeblich um die 20-30 Cent. Jede dieser Tankstellen ist mit einem Schlauch und einem Trichter ausgestattet.
3. Als Einkaufsstraßen kann man hier jede Ortsdurchfahrt bezeichnen. Waren werden links und rechts der Straße angeboten. Dazwischen laufen jede Menge Menschen und man versucht sich mit dem Auto durch zu zwängen, verschärft durch den Gegenverkehr und natürlich den Parkplätzen. Es gibt eigentlich keine Parkplätze, will man was kaufen, bremst man sein Auto bis zum Stillstand und steigt aus. Also Chaos pur!
4. Die Straßen hier sind perfekt - aber nur rund um Tunis. Den Rest haben wir bisher als Schweizer Käse empfunden. Als ob die Schlaglöcher nicht schon genug wären, haben die Tunesier auch noch jede Menge künstliche Schwellen "Hümpel" zur Geschwindigkeitsbegrenzung einbebaut. Also Eile mit Weile.
5. Ich dachte gestern, dass unser Auto schmutzig wäre - wurde heute eines Besseren belehrt - jetzt ist es schmutzig!
6. Bargeldlos bezahlen - Fehlanzeige! Nicht mal bei der Tankstelle. Also auf zum nächsten Bankomat der an der nächsten Einkaufsstraße zu finden war und zufällig direkt davor ein Parkplatz ;-)
7. Wildcampieren - Fehlanzeige! Die Polizei ist sehr darauf bedacht, dass alle Camper sicher durch Tunesien kommen und daher wollen sie jeden beschützen - also bevorzugt bei einer Polizeistation - oftmals in einem Hafen - übernachten. Dabei werden die Personalien aufgenommen, es wird gefragt wo man herkommt und wo man als nächstes hin möchte. Das alles sehr höflich und extrem freundlich.
Nach einer ruhigen Nacht in Tabarka hat dann tatsächlich das Wetter umgeschlagen. Es sind zwar keine -20 wie zu Hause, aber ein kalter Wind und heute sollten wir tagsüber ein Minimum von 3 Grad messen.
Bevor wir uns aber auf dem Weg in den hoffentlich wärmeren Süden machen, besichtigen wir noch das Wahrzeichen von Tabarka - die drei Felsen am Hafen. Tabarka ist aber auch für Jazz Festival bekannt, die in den Sommermonaten stattfinden.
Wir verlassen nun erstmals seit 4 Monaten das Mittelmeer. Die Straße in den Süden ist erstaunlicherweise sehr gut! Ganz anders als die Ost-West Verbindung die wir gestern gefahren sind. Unser Ziel Bula Regia - eine alte Ausgrabungsstätte.
Kurz und Bündig meine Eindrücke: Die beste Ausgrabungsstätte die ich bis jetzt gesehen habe. Klar - nicht zu vergleichen mit Ephesos und dergleichen, aber einzigartig und sehr besonders! Wir leisteten uns einen Guide und erfuhren erstaunliches. Hier haben damals ca. 20.000 Menschen gelebt, davon 15.000 Sklaven. Wenn man davon ausgeht, dass heute auch jeder Hausbesitzer eine KitchAid, einen Mähroboter und eine Zentralheizung hat, dann kommt das ganz gut hin.
Das besondere:
1. Es ist von der UNESCO nicht aufgenommen und somit gibt es kein Geld dafür. Tunesien hat auch kaum Geld um weiter auszugraben (es ist erst ein kleiner Teil ausgegraben) bzw. um es ordentlich zu erhalten.
2. Daher wirkt es extrem authentisch - keine künstlichen Rekonstruktionen und dergleichen. Man fühlt sich so, als ob seit 2.000 Jahren keiner da gewesen wäre.
3, Die Römer haben hier eines der wichtigsten Zentren im römischen Afrika errichtet. Sie haben wunderschöne Paläste mit Mosaiken geschaffen.
4, Die Römer? Nein - es waren die Berber die Bauwerke in mehreren Etagen großteils unterkellert gebaut hatten. Die Kellerräume waren hauptsächlich für die heissen Sommermonate. Dort war es angenehm kühl. Das haben sich die Römer angeeignet und mit ihren Innenarchitekten verschönert.
Und das ist das Einzigartige!!! Es gibt weltweit keine alter römische Stadt mit diesem Ausmaß, die 50% unterirdisch war!
Die Römer waren schon clever. Das ist die Statue des aktuellen Herrschers. Kopf und Hände sind austauschbar. Das kommt bei einem Machtwechsel billiger ;-)
Der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Nächstes Ziel El Kef. Weiterhin schöne Straßen aber sehr bergig - wir fahren auf beinahe 1.000m rauf und El Key liegt immerhin auch noch auf 750m.
Der Ort überraschte uns mit seiner tollen Burg. Eine Stunde geführte Besichtigung und dann auf die Frage was wir schuldig sind: Was wir geben möchten.
An der Stelle sei mal gesagt, dass wir noch NIE in irgendeinem Land so freundlich behandelt wurden! Wir fühlen uns sher willkommen und gut aufgehoben, was wir am Abend nochmals bewiesen bekommen - dazu aber später.
Abends kommt die von uns schon erwartet Polizei. Wie immer extrem höflich und um uns bemüht. Wo wir herkommen und wo wir hin wollen. Und da kommt das was wir von YouTubern schon wissen. Morgen bekommen wir eine Eskorte. Um 10:00 geht's los.
Und tatsächlich - Pünktlich um 10:00 war die Polizeieskorte da und es ging los. Die Eskorte bis Speilt (125km und gute 2 Stunden) ist notwendig, da in diesem Gebiet regierungsunfreundliche Rebellen ihr Unwesen treiben. Entführungen sind nicht auszuschließen und somit ist diese Stecke für Touristen wegen der Terroristen nur mit Polizeibegleitung zu befahren.
Dabei läuft das wie bei einem Staffellauf. Die jeweilige Bezirkspolizei begleitet uns bis zu deren Reviergrenze und es erfolgt eine Übergabe zum nächsten Revier. So wurden wir 5 mal übergeben und hatten teilweise langsame Polizisten aber für einen großen Abschnitt einen absoluten Raser.
Mit bis zu 130km/h auf Landstraßen durch Tunesien und das alles mit Erlaubnis der Polizei! 80km/h durch Ortschaften und 120 in einer 70er Beschränkung. Es wurde Überholt war nicht Vollgas fuhr.
Hat Spaß gemacht, aber ich war dann durchaus reif für eine Dusche ;-)
Hier in Sbeitla gibt es auch eine bedeutende Ausgrabung, aber besser waren die essbaren Ziegelsteine. Eine Spezialität in Tunesien ist Brik. Das haben wir uns heute gegönnt.
Morgen geht's dann weiter nach Touzet und die ersten 30km auch noch mit Polizeibegleitung.
Und die Ausgrabungen:
Heute schreibt Orea den Bericht: Wuff Wuff Wuff. Sie will nicht mehr - also muss doch ich.
Nicht so kalt wie prognostiziert aber doch auf 4 Grad runter, startet der neue Tag mit Prachtwetter. Wir machen uns rechtzeitig fertig, da wir ja für 10:00 unsere Bodygards bestellt hatten. Hatten die verschlafen, vergessen jedenfalls starten wir verspätet. Noch schnell zur Shell Tankstelle. Wir gönnen uns den guten teuren Diesel für 65Cent je Liter.
Gestern erklärten uns die Polizisten, sie müssten und noch für 30km begleiten, ich denke aber die hatten schon morgens keine Lust und haben uns dann auch nach 15 km ziehen lassen. Juhu - wir sind wieder frei!
Die Straßen werden immer kurvenarmer (also Gegenteil von kurvenreich) und auch mit gutem Asphalt ohne Löcher. So ist eine Geschwindigkeit von 100km/h durchaus gut machbar. ABER ACHTUNG vor den tausenden Hümpel!!! Wie aus heiterem Himmel kommt so eine Bodenwelle, ich vermute teilweise von lokalen Benzinverkäufern oder Orangenverkäufern selber betoniert. In den Ortschaften und vor Schulen sind die meist auch zuvor mit einem Schild angekündigt. Zu erkennen sind sie für mich Zyklop sehr schwer und die Andi assistiert als Beifahrer mit einem lauten Kommando "Hümpel!!!".
Aber es kommt auch vor, dass Andi von ihrem Handy abgelegt ist und schon hebt unser Wigerl ab - ups - da war wieder einer :-(
Naja - wir haben ja beinahe ein Geländemobil und so sind wir auch wieder gut gelandet und nix passiert :-)
Nach ca. 3h20 sind wir dann in Tozeur angekommen. Das nötigste einkaufen und dann in die Palmenoase zum Camping Coco! Der Platz unter Palmen ist paradiesisch und abends gibt es ein tunesisches 3 Gänge Menü - ohne Fotos ;-)
Gute Nacht!
Aus Thomy's Weisheiten: Man reist durch Wüsten, Sand, Sonne und Trockenheit. Der Durst nach Wasser (oder Bier) wird immer größer und plötzlich am Horizont - eine Fata Morgana oder doch grüne Palmen? Das Wohnmobil wird nochmal auf volle Fahrt beschleunigt - ups einen Hümpel übersehen - wurscht, die Palmen locken. Und dann die Bestätigung - Wasser in der Wüste und man ruft ganz laut:" Oh a See!".
So hat es sich zugetragen und damit es einfacher ist, hat man diese Orte Oase (Oh a See) genannt.
Und in genau so einer Oase sind wir nun seit 3 Tagen. Und es gibt dazu viel zu berichten :-)
Mit den Fahrrädern geht’s in das 3 km entfernte Ortszentrum von Tozeur. Markt, Medina gut Essen und insgesamt sehr angenehm und interessant. Die halten Häuser sind mit Ziegel gebaut, wobei bei der Fassade die Ziegel teilweise nach vorne versetzt sind. So entstehen schöne Reliefs. Die haben aber auch eine kühlende Wirkung, da die Steine einen Schatten an der Fassade erzeugen.
Wir essen zum erstmal Kamel. Andi im Tontopf mit Gemüse. Der Tontopf liegt im Feuer und ist mit Brot verschlossen. Ich versuchte mich am Kamelsteak. Kurz gesagt, eine Mischung aus Ziege und Rind.
Unser Gastgebern - Schiheb- im Camping Coco ist ein sehr gebildeter Mann. Er hat in Deutschland studiert und lange dort gearbeitet. Jetzt allerdings ist er in der Pension und kümmert sich um das Erbe seiner Eltern, die Palmenplantage. Offenbar um seine Kommunikationsfreudigkeit zu stillen, hat er einen kleinen Teil seiner Plantage als Oase-Camp adaptiert. Ständig ist er dabei zu erweitern und zu optimieren. Seine Frau unterstütz ihn dabei und wir hatten auch das Vergnügen ihre Kochkünste genießen zu dürfen.
Schiheb hat viele interessante Geschichten auf Lager, ist er doch schon auf der ganzen Welt gereist und das teilweise mit Motorrad.
So erzählte er uns über den Anbau von Dattelpalmen, dass es dabei männliche und viele weibliche gibt. Die Arbeit besteht darin, den Samen der männlichen zu ernten und dann auf jede weibliche Palme zu bringen. Dazu gibt es keine Bienen, es wird händisch durchgeführt und dazu muss man auf die Palmen klettern. Bis die Datteln feilgeboten werden, muss eine Palme 5-6 mal beklettert werden. Schiheb’s Datteln sind ein Traum und wir wurden auch schon reichlich beschenkt. Unter den Datteln wird Gemüse angebaut. Salat, Spinat, Bohnen, Zwiebel, Knoblauch, Radieschen, … . Und weil wir so nette Gäste sind ( ;-) ) durften wir für unser heutiges Abendessen Gemüse ernten.
Auffällig ist, dass die Händler hier sehr zurückhaltend sind, was das Thema Verkaufen betrifft. Ganz anders als in Marokko wird man hier nicht gedrängt, nicht in Läden gelockt und nicht belästigt. Es gibt auch so gut wie kein Betteln. Die Leute sind freundlich, höflich aber dann doch zurückhaltend. Die Erklärung seitens Schiheb war, dass ein aggressives Verkaufen seitens der Tourist Police verboten ist. Diese Tourist Police ist in zivil unterwegs und und hat die Aufgabe vom Staat, sich um das Wohlergehen des Tourismus zu kümmern. Wird festgestellt, dass sich Händler nicht entsprechend verhalten, kann das bis zur Schließung des Geschäftes führen.
Diese Tourist Police ist es auch, die Wildcamper einsammeln und zu sicheren Plätzen bringen.
Das Thema Müll. Ein Camper hat auf Park4Night geschrieben: Verlasst euren Platz sauberer als ihr ihn vorgefunden habt - Ok, in Tunesien ist das nicht möglich! Es ist alles vermüllt. Es scheint, dass das ganze Land mehr oder weniger eine Mülldeponie ist. Auch dazu hat Schiheb eine Erklärung: Tunesien war in seiner Geschichte immer erobert und besetzt worden. Zuletzt von den Franzosen. Er hat von seinem Vater und der von seinem Vater gelernt, auf unser Haus ist zu achten. Der Rest ist nicht unser, das gehört den Franzosen, das können wir ruhig verwüsten. So wurden Parks verwüstet, Straßenlaternen zerschossen, Bushaltestellen beschmiert usw.. Diese Verhalten war in der tunesischen Gesellschaft ganz normal.
Ein bisschen kann nicht das schon nachvollziehen, auf Dinge die einem nicht gehören passt man weniger auf, wie z.B. eine Mietwohnung versus Eigentumswohnung. Ein Mietauto auf Kreta? Ist ja eh Vollkasko - mir Wurscht, fahr ich auch mal wilde Schotterstraßen.
Die Kinder lernen heute in der Schule, dass das nicht richtig ist - bis das aber aus den Köpfen aller weg ist, wird es noch die eine oder andere Generation dauern.
Ich könnte hier noch die weitere Weisheit von Schiheb erzählen, z.B. warum man in Tunesien Cola trinkt, aber ich denke an dieser Stelle reicht es.
Der eine oder Andere vermisst vielleicht meine pointierte und lustige Schreibweise. Ich vermute, die kommt wieder im Februar, da werde ich den DryJanuary hinter mir haben und mit einem Gläschen Wein schreibt es sich besser - die Texte sind dann nicht so trocken - Ein Prost auf Ende Jänner!!!
Gute Nacht!
Eine Salzpfanne - also ein Chott - und zwar eines der größten der Sahara. Wasser sammelt sich in einem Becken einerseits durch Regen und durch Grundwasser aus der Umgebung. Diese Wasser hat keinen Abfluss und verdunstet. Zurück bleibt Salz und Gips.
Wir sind heute mit den Fahrrädern an den Rand dieses Sees gefahren - schon lustig wenn man über weißes Salz fährt - so ähnlich wie zu Hause auf den Straßen.
Was interessant ist, einige Tunesier zäunen ein Stück des Sees ab und beginnen den Bereich zu kultivieren. Meist mit einer Palmenplantage. Bewässert wird vom "Grundwasser/Salzsee" aus etwa 2 Meter Tiefe. Die Chancen sind eher gering, da die Palmen zwar einen gewissen Anteil Salz im Wasser gut vertragen, aber in diesem Bereich, 2 Meter unten, der Salzgehalt doch zu hoch ist. Aber man muss wissen, dass das Land nicht gekauft werden muss und nach 14 Jahren Bewirtschaftung dann in den Besitz des Bauern übergeht. Dann kann er auch was anderes damit machen - z.B. einen Solarstromanlage. Scheint also ein Business Case zu sein.
Und dann die für uns erstaunliche Beobachtung - ich sagte zur Andi: Sei mal leise! Und? Man hört nur das mehr oder weniger laute Sausen im eigenen Ohr - Oh Tinnitus. Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man diese speziellen Kopfhörer auf die die ganzen Umgebungsgeräusche weg filtern können. Bedrückende Stille. Mit der Zeit eine wohltuende Ruhe.
Zurück in unsere Oase kommen uns die Vögel auf den Palmen plötzlich sehr laut vor - ansonsten herrscht auch nur Stille.
Es kommt immer wieder vor, dass uns Brot hart wird. Wir sammeln dieses alte Weißbrot und dann war heute wieder Knödeltag!
Einige Vorbereitungen noch für morgen, weil wir fahren weiter in die Bergoasen an die algerische Grenze. Wasser getankt, Klo entleert und dann wieder alles in die Heckgarage rein. Fertig, dann kann's morgen losgehen, 75km bis Mides.
Noch ein Wort zum Wetter: Tunesien hat uns mit Regen und Kälte begrüßt. Je weiter wir aber in den Süden kamen, desto angenehmer wurde es und heute mit kurzer Hose und T-Shirt, war es sogar im Schatten angenehm. Nachts ist es aktuell noch kalt 4 Grad aber die nächsten Tage wird es immer wärmer - der Frühling kommt ;-)
Schweren Herzens verlassen wir die Oase bei Tozeur und machen uns auf den Weg in die südöstlichen Ausläufer des Atlasgebirges. Das Ziel ist die Bergoase Mides.
Mides war aufgrund seines Wasservorkommens seit jeher ein strategischer Ort. Zuerst als Zwischenstopp für die Handelskarawanen und später immer mehr für die Landwirtschaft.
Ende der 60er Jahre gab es dann eine schwere Sturzflut und das Dorf wurde großteils zerstört bzw. unbewohnbar. So entstand etwa 2 km weiter, an einem sicheren Ort, das neue Mides. Naja viel ist es ja nicht - nur einige wenige Häuser.
Das alte Mides - also die Ruinen - werden heute gemeinsam mit dem anschließenden Canyon touristisch genutzt. Ist ja auch wirklich sehr schon für eine kleine Wanderung.
Andi ist so Glücklich nun endlich freilaufende Kamele gesehen zu haben! Die 84km Anfahrt erinnerten teilweise an die Straße im Norden - viele Löcher und ein unglaublich rauer Belag. Aber ist halt unterschiedlich.
Nachtrag zu Mides. Der kleine verschlafene Ort an der algerischen Grenze ist überraschend total sauber - kein Müll! Wie machen die das? Keine Ahnung, jedenfalls ist es uns sehr angenehm aufgefallen.
Wir hatten Abends noch ein etwas skurriles Abendessen - Andi hatte ihren online Griechischkurs bis 18:30 und wir fragten Mittgas wie es mit einem Abendessen wäre. Der Wirt meinte sehr gerne - lud uns auf einen Tee ein und sagte wir sollten um 5 zum Essen kommen - es gibt ein Menü. Wir wollten um 7, aber das war ihm zu spät - eine andere Welt, in Spanien, Portugal, Italien bekommst du kaum vor 8 was zu essen. Hier ist es anders und wir erfuhren auch warum.
Also wir einigten uns auf halb sieben und kamen pünktlich. Im Grill vorm Lokal glühte die Holzkohle und wir gingen durch eine TürTür - also eine kleinere Tür in der großen Tür - ins Gastzimmer. Es war bitter kalt in der Gasstube und wir waren die einzigen Gäste. Das Zimmer hatte den Charm einer Bushaltestelle im Nirgendwo. Es gab einen jungen Mann der uns mit schwarzen Latexhandschuhen willkommen hieß.
Wir nahmen Platz, uns war kalt - trotz warmer Jacke und langer Hose - und es war das absolute Gegenteil von einer gemütlichen Gasstube wie wir es auch unserer Heimat kennen. Als erster Gang gab es Suppe mit allem möglichen, Reste vom Huhn konnten wir identifizieren, gefolgt von Salat. Das absolute Highlight war Brick (Frisierter dünner Teig gefüllt mit Gemüse, Tunfisch und Ei). Auf das was dann kam hätten wir auch verzichten können. Lammkoteletts und Hühnerbrust vom Grill. Die Kohle draußen im Grill war zwar heiss, das Fleisch jedoch nur noch lauwarm. Dafür war es offenbar zuvor sehr lange der Hitze ausgesetzt gewesen. Das Lamm war vom Knochen kaum mehr zu unterscheiden und das Huhn absolut trocken und entsprechend bissfest.
Warum führe ich das so aus? Naja - wir waren heute abends wieder Essen - in Douz - und naja, zum Essen braucht man nicht nach Tunesien. Das beste Essen hatten wir eindeutig im Oasencamp bei Chiheb. Seine Frau lebe sehr lange in Deutschland und verbindet das tunesische offenbar sehr gut mir unserer Essenskultur.
Aber unsere Erfahrung mit ganz typisch lokalen Restaurants waren bis dato bescheiden.
Und warum wollte der Wirt um 5? Weil er um sieben heimfuhr und uns nur noch der Latexhandschuh "bewachte" und froh auch froh war, gleich nachdem wir die Reste für Orea in eine Serviette gepackt hatten, heimgehen zu können. Wir waren alleine - schön!
Thema Essen Ende.
Sodala - los geht's weiter Richtung Sahar. Zuerst noch die Oase de Chebika besichtigen. Das war auf jeden Fall einen Stopp wert. Super Lage in den Bergen und ein kleiner Wasserfall. Das Wasser kommt mit gut 27 Grad aus dem Berg und Orea war ganz begeistert. Insb. weil es auch Frösche gab und sie liebt Frösche!
Noch ein Glas frisch gepresster Orangensaft und einen Kaffee - in Tunesien trinkt man eher Kaffee als Tee! - geht es nun endlich zum Salzsee! Was für ein Erlebnis, 70km gerade aus. Die Straße verliert sich in der Fata Morgana am Horizont. Links und rechts weite, die man sonst nur vom Meer kennt. Mitten drinnen wird in großen Mengen Salz abgebaut. Erstmals in Tunesien kein Internet Empfang - sonst im letzen Winkel 4G, nur hier Ruhe!
Aber zuerst noch ca. 70 km bis Tozeur, dann beginnt der See - die Salzpfanne.
Kamel Ende und jetzt Salz:
Unser heutiges Ziel, Douz - das Tor zur Wüste - ist erreicht und wir checken im Camp ein. Na endlich, es gibt andere Touristen! Franzosen und Deutsche aber alle mit 4x4. Da sind wir schon wieder Exoten. Heute und morgen ist Markt und wir stürzen uns gleich noch rein, ist in 5 Minuten zu Fuß zu erreichen, Abendessen (hab ich ja schon ausführlich erörtert) und ab ins Getümmel. Aber so richtig spannend wird es dann morgen, da ist Viehmarkt. Mal sehen ob wir die Orea gegen ein Kamel tauschen können. Aber ob das dann noch bei uns im Bett Platz hat und die Zottelviecher stinken noch mehr als die Orea. Also werden wir sie im Auto lassen und alleine gehen. Vielleicht kann ich die Andi eintauschen ;-) Aber wer hilft mir dann beim Navigieren. Heute bin ich am Campingplatz nur 10 Meter weiter ohne Andi gefahren um den Stellplatz zu Wechsel und hab gleich eine Palme geküsst - also die Stoßstange - geblieben sind 2 Kratzspuren - also behalte ich meinen geliebten Copiloten doch lieber :-)
Und dann haben wir uns für unseren Freund Dietmar etwas schlau gemacht was das Thema Wüste betrifft. Also man kann die "normalen" Orte so anfahren. Möchte man allerdings in die Wildnis, dann muss man das anmelden und man darf nicht allein fahren. Entweder in einer Gruppe - aber auch angemeldet - oder mit Guide, dann meldet das der Guide an. Ein Deutscher hat uns berichtet, er war jetzt 4 Tage mit Guide in der Wüste - 160€ pro Tag für den Guide - auch nicht geschenkt.
Gruppen treffen sich auf den Campingplätzen zusammen. Der zuvor erwähnte Deutsche wartet auch gerade auf Mitfahrer, da er einen schweren Mercedes LKW fährt, braucht er auch ein vergleichbares Begleitfahrzeug, der Landrover hier am Platz wäre ihm zu klein.
Da wir uns aber auf befestigten Untergrund weiter bewegen werden, bin ich froh, diese Probleme nicht zu haben. Für uns geht es morgen erstmal zum Viehmarkt und in die Medina von Douz und übermorgen wagen wir einen Abstecher in die Wüste...
Der zweite Tag in Douz wird vom Markt bestimmt. Und im Speziellen vom Viehmarkt. Das muss man schon erlebt haben. Jeder muss für jedes Tier welches er auf den Markt bringt einen Dinar bezahlen. Dann wird begutachtet und gehandelt. Ein Wirbel aber wir haben uns als Tourist nicht unwohl gefühlt. War ein interessantes Erlebnis. Andi war von den kleinen Ziegen mit den extrem langen Ohren begeistert. Ich konnte es ihr aber ausreden eines zu kaufen ;-)
Am "normalen" Markt kaufen wir noch Gemüse und Kamel. Ich wollte dann noch Zwiebel kaufen, die wurden mir aber dann geschenkt!
Das Kamel wurde abends zu Gulasch mit Couscous verarbeitet.
Es gibt jede Menge Fotomotive
Der kleine Campingplatz ist eher ein Stellplatz aber sehr ruhig und nett. Wir lernen dort einige "Overlander" kennen. "Sigi" versucht uns zu überreden mit ihnen quer durch die Sahara zu fahren - wir lehnen dankend ab.
Und Orea hat einen neuen Freund.
Aber genug von Douz - wir wollen in die Sahara - also Wasser und Diesel tanken und los geht's. Die 150km teilten sich auf drei Geraden auf. Also zweimal rechts abbiegen. Unendlich lange gerade Straßen. Anfangs in besten Zustand wird die Straße zunehmend schlechter. Wir erreichen Ksar Ghilane - eine Oase in der Sahara. Es gibt einen See mit warmen Wasser (Oh a See) und hunderte Quads. Hier treffen sich alle "Benzinbrüder" die die Sahara unsicher machen. Wir suchen ein ruhiges Fleckerl bei einem Restaurant am Rand der Oase. Hier ist es so weit ruhig und wir stehen direkt am "Strand" - ja es ist beinahe wie am Meer. Nur dass der Strand viel größer ist und wir trotz 8 km Wanderung kein Meer gefunden haben. Es ist schon ein voi klasses Erlebnis 4km in die Sahara zu wandern - Düne rauf und runter - daher haben wir auch über 100 Höhenmeter geschafft. Und es ist vergleichbar anstrengend wie wenn man durch keine frisch verschneite Landschaft wandert.
Eigentlich haben wir noch Kamelgulasch von gestern aber wir wollen hier essen und bekommen Couscous mit Kamelgulasch - wie zu Hause. In diesem Fall kann das Essen aber mit Andis Kochkunst mithalten. Insb. das Kraut war sehr interessant - also eher ein Szegetiner-Kamel-Gulasch.
Dann gab's noch ein Lagerfeuer mit Sandbrot. Der Brotfladen wird einfach in die Glut geschmissen und mit heisser Asche zugedeckt. Dann wird getrommelt und gesungen und schon in das Brot fertig - wirklich sehr gut.
Bin schon gespannt, wie die Nacht hier in der Wüste wird...
Die Nacht in der Wüste war super - soo gut geschlafen.
Heute morgen ist die Andi mit den Laufschuhen durch die Oase gelaufen und ich hab die gute Nacht noch maximal ausgenutzt. Mit Orea dann noch eine Oassi-Runde und Ballspielen in der Wüste. Orea freut sich win die tunesischen Kinder die mit Freude die Dünen runterpurzeln.
Andi sammelt dann noch einen Erinnerungssand und wir brechen auf zum Ksar Hallouf.
Was ist ein Ksar? Eine Speicherstätte der Berber. Bekannt auch, weil sie als Kulisse für die Star Wars Filme gedreht haben.
Die Fahrt ging raus aus der Sandwüste. Es wurde steiniger und bergiger. Die Straßen mit sehr rauem Asphalt aber im großen und ganzen gut mit wenig Schlaglöchern. Mit einer Geschwindigkeit von 50-70 kamen wir gut voran.
Der nächste Stopp war Ksar Haddada.
Auch in Tunesien wird geheiratet.
Chenini soll für heute unser Übernachtungsplatz sein. Wir finden einen schönen Platz auf der Anhöhe mit einem herrlichen Blick auf das neue Chenini. Ich habe das Wigerl gerade eingeparkt, da stand auch schon die Touristen Polizei da. Wie immer sehr nett und begrüßte uns, nahm unsere Personalien auf und wünschte uns eine gute Zeit.
Was für ein Übernachtungsplatz - der Muezzin begleitet uns in den Abend und dann ist es der erste Hahn der den Morgen einkräht, dicht gefolgt vom morgendlichen Muezzin Ruf.
Andi nutzt die Morgenstunde für ihr tägliches Gymnastikprogramm und ich lasse mit Orea die Nacht ausklingen.
Chenini ist einen Besuch wert. Der Ort war früher ein bedeutender Karawanenstützpunkt und wird von der Speicherstadt (Ksar) überragt.
Es ist soweit. Ich weiss auch nicht was mich geritten hat, aber ich hab das Lenkrad an die Andi übergeben und was soll ich sagen, der Mercedes gehorcht ihr. Spielerisch und mit einer Leichtigkeit steuert sich unser Wigerl durch den Süden Tunesiens. Dabei ist es ihr egal ob es über kleinste Bergstraßen, durch urige Ortschaften oder Richtung Djerba auf stark befahrene Straßen mit wild rasenden Tunesiern geht.
Nach gut 3 Stunden haben wir unser Ziel auf der Insel Djerba erreicht und sie überlässt dann doch gerne mir das rückwärts Einparken nahe am Meer. Hätte sie aber sicherlich auch genau so gut hinbekommen. Und erwähnenswert ist, dass sie keinen einzigen Hümpel übersehen hat - da bin ich besser - ich übersehe immer wieder mal einen ;-)
Ahja - vor lauter Begeisterung über meine super Chauffeurin, habe ich vergessen Ksar Ouled Dabbab zu erwähnen. Auch hier handelt es sich um eine alte Berber Speicherstadt, aber diese wurde großteils restauriert. Ein Restaurant, ein Museum und ein tolles Hotel sind so entstanden. Die Nacht in den doch dunklen und engen Zimmern kostet mit Frühstück umgerechnet 30€.
Ahja - vor lauter Begeisterung über meine super Chauffeurin, habe ich vergessen Ksar Ouled Dabbab zu erwähnen. Auch hier handelt es sich um eine alte Berber Speicherstadt, aber diese wurde großteils restauriert. Ein Restaurant, ein Museum und ein tolles Hotel sind so entstanden. Die Nacht in den doch dunklen und engen Zimmern kostet mit Frühstück umgerechnet 30€.
Müde, das Wetter verzieht sich, Wolken und Wind ziehen auf und wir haben einen Riesen Hunger. Gott sei Dank ist gleich nebenan ein Restaurant - einfach aber schön und gepflegt und direkt am Meer. Wir essen Fischsuppe und teilen uns einen Teller mit gegrillten Fischen (Garnelen, Oktopus, Kalamar und eine Goldbrasse.
Satt und zufrieden ziehen wir uns in unser Schneckenhaus zurück - wir fühlen uns hier so wohl und freuen uns jetzt über ein paar erholsame Tage am Meer. Die letzten 2 Wochen waren extrem erlebnisreich, spannend aber auch anstrengend. Bis hier haben wir in Tunesien 1.500km zurückgelegt, jedoch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 40 km/h.
Laut Wetterbericht wird es bis Mittwoch wechselhaft aber nicht kalt und dann sollte die Sonne wieder in voller Pracht scheinen...
Neun Uhr und ich war mit der Orea auf unseren allabendlichen Gassigang. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich Meer besser kann als Wüste. Die Wüste war ein wüstes Erlebnis. Besonders ist sicherlich die Stille. Hier am Meer rauscht das Meer aber ich lebe auf wenn mir die Meeresluft um die Nase bläst.
'S Meer is halt mehr!
DIE Ferieninsel Tunesiens, Das Florida Tunesiens oder als Oberösterreicher: Das Salzkammergut Tunesiens.
In Wirklichkeit ein Sandhügel der sich im Südosten Tunesiens aus dem Meer erhebt. Erhebt ist auch etwas übertrieben - der höchste Berg hier ist 54m hoch. Ansonsten nutzen diese Erhebung vor allem Palmen und Pensionisten. Wer von denen den ganzen Müll hinterlassen hat, sei dahingestellt. Man könnte auch von einer Müllinsel sprechen. Es gibt viele schöne Ferienanlagen die von beiden Spezies bewohnt werden, also Palmen und Pensionisten. Der Müll muss in diesem Fall draussen warten, dafür in rauen Mengen.
Wer heute (22.1.) die ZIB1 im ORF gesehen hat, der hat in einem ausführlichen 25 Sekunden Beitrag von den schweren Unwettern gehört. In Tunesien sind immerhin 4 Personen ums Leben gekommen und die Ostseite von Sizilien wurde von einer Springflut stark in Mitleidenschaft gezogen. Aber das scheint im ORF nicht berichtenswert, wir haben ja eine Kuh die sich mit einem Besen kratzen kann.
Uns hat diese Unwetter auf Djerba nur gestreift - wie sind weit genug im Süden. Jedoch auch wir wurden überrascht. Standen wir doch in einem guten Abstand zum Wasser unter 2 Palmen am Meer, so fanden wir am nächsten Morgen die Spuren des Wassers bis an unser Auto reichend.
Aktuell ist es wieder schön aber noch sehr windig, was das Temperaturempfunden trotz 19 Grad stark trübt.
Und leider sehr viel Müll. Das würde sogar meine Mutter in einem Urlaub nicht einsammeln können!
Wir machen ein Rundfahrt auf Djerba und besuchen Djerba-Hood:
Wir tanken an einer Wasserstelle unseren Tank voll und dann kommen plötzlich die Kiwis daher. Die Standen in Palermo beim Einschiffen vor uns. So ein Zufall!
Und heute endlose Spaziergänge am Strand...
Zu guter Letzt haben wir dann noch ein tolles Hotel am Strand gefunden - Andi hat gleich an der Rezeption eingecheckt und ihr Zimmer besichtigt:
Ich war fleissig und habe heute das erste Tunesienvideo fertig gemacht:
Genug für heute - Gute Nacht...
Offensichtlich gibt es hier auf Djerba einige deutsche Damen, die sich eine Begleitung anmieten. Da dachte ich mir, ob das nicht ein Business case wäre um die Urlaubskassa aufzubessern?
Dabei gibt es einen Haken: Die linke Dame auf dem Foto könnte mir gar nicht genug bezahlen und die Rechte will mir gar nichts bezahlen!!!
Also bin ich froh, dass das Leben hier so billig ist und ich den Business Case nicht in die Tat umsetzten muss.
Ich habe ja das Essen in Tunesien bis jetzt nicht besonders gelobt. Tatsächlich ist es sehr einfach und wiederholt sich ständig. War es im Landesinneren das Kamel, welches unsere kulinarische Vorliebe weckte, so sind es auf Djerba die Fische. Auf der Karte findet man im Wesentlichen Wolfsbarsch, Dorado und Scampi. Dazu kommt, dass hier der Fische sehr gut auf Holzkohle zubereitet wird, mit Salat, Pommes, teilweise mit Suppe und einem abschließenden Tee serviert wird. Dazu gibt es auch immer einen vollen Korb Brot. Erwähnenswert ist der Preis - so ein "Doraden-Menü" bekommt man hier für 7€!
Eine Woche Djerba und unsere Reisebatterien sind wieder aufgeladen (und das ersten Tunesienvideo ist geschnitten). Wir haben relaxt und viel Fisch gegessen. Nachdem wir für nächsten Donnerstag die Fähre zurück in die EU haben, wollen wir unsere Rundreise wieder aufnehmen und fahren heute nach Sfax. Für die gut 300km brauchen wir knapp 4 Stunden und parken direkt im Zentrum vor der Medina ein. Diese Medina hat uns dann verzaubert - orientalisch, laut, bunt und voller Gerüche (von "gut" bis "da dreht's mir gleich den Magen um").
Wir essen an einem kleinen Stand einen Wrap, trinken Cola und Fanta und bezahlen dafür 3,5€. Ich schau dann auch kurz in die Mosche wo gerade gebetet wird - die Andi darf auch rein aber bei einem kleinen Seiteneingang (dürfte der Personaleingang sein).
Zum Übernachten ist es uns aber im Zentrum doch zu laut und so fahren wir noch einige Kilometer nördlich an den Strand. Nicht ohne zuvor in der Medina noch Gemüse und einen Hühnerbrust für ein orientalisch-asiatisches Gericht einzukaufen.
Der Plan (hihi Pläne) war nach El Dem nach Kairouan zu fahren. Es kam aber anders - der Reihe nach.
El Dem ist einen Besuch wert (ich glaub solche Sätze hab ich nun schon oft geschrieben). Aber es ist halt so - das Kolosseum ist Kolossal - wird schon einen Grund haben, warum es so heisst. Also wir waren begeistert sind mit Freude vom Keller bis zum 3. oder 4. Stock hochgelaufen (die Deutschen sagen ja immer "laufen" auch wenn sie gehen - in diesem Fall sind wir aber wirklich gelaufen - Stiegenlauf für einen knackigen Ar...).
Ich lasse einfach dazu die Bilder sprechen - ein Freund - danke Peter - hat gesagt, dass man mit den Superlativen aufpassen muss. Zu intensiver Einsatz dieser würde die Glaubwürdigkeit schmälern und auf Dauer uninteressant wirken. Also ganz gezielt einsetzen: Meine Andi ist die Allerbeste!
Dann noch ein Missgeschick. Wir tanken Wasser - um bei längerer Fahrt nicht unnötig Gewicht mit zu schleppen und um 3-4 Tage auszukommen, tanke ich halb voll.
Die Achillesferse unseres Fahrzeuges ist sicherlich der Überhang hinter den Hinterrädern und die damit verbundene Bodenfreiheit. Dabei ist der Wassertank an der Tiefsten Stelle und sollte bei großen Unebenheiten als erster Kontakt zum Untergrund haben.
Diese Erläuterungen sind wichtig um nun folgenden Vorfall zu verstehen. In Tunesien gibt es unzählige "Hümpel" (ich hatte dazu schon mal berichtet - auch weil man sie oft sehr schlecht erkenne kann). Andi schätzt die von uns passierten Hümpel auf 375.000. Ich halte das für gering übertrieben, denke aber auch, dass es an die 500 gewesen sein werden. Italien hat seine Kreisverkehre und Tunesien seine "Hümpel". So - nun war der 501ste Hümpel aber ein klein wenig anders. Also der Hümpel an sich nicht, außer dass es eines der größeren Exemplare war. Aber das Besondere war, dass gleich nach dem Hümpel die Straße etwas eingebrochen war, was dazu führte, dass (ich hoffe das war das letzte dass) es zu einer größeren Stufe gekommen war UND (jetzt kommt der interessante Teil) unser Wassertank mit dem Hümpel in Kontakt trat. Rumps!
Ich konnte das Malheur notdürftig richten. Bis zu Hause sollte es halten und dann wird hier eine bessere Lösung umgesetzt. Eine zusätzliche Unterstützung durch Luftbälge wäre auch zu überlegen.
Nun sollte Kairouan kommen, aber wir fahren dann doch lieben nach Sousse. Es gibt da direkt bei der Stadtmauer zur Medina einen guten Platz zum Übernachten. Eigentlich erwarteten wir von Sousse nicht viel und doch wurden wir so belohnt. Die Medina ist wunderschön und hat einen ganz eigenen flair. Wir fühlten uns gleich so wohl. Die Nacht war ruhig und der Platz, für einen Stadt-Parkplatz, ideal.
Am nächsten Tag besuchen wir das Museum welches einerseits durch die ausgestellten Exponate und andererseits durch die Architektur des alten Gemäuers überzeugte. Wow!
Etwas besonderes ist der Faro (Leuchtturm) hier in Sousse. Er ist in einem alten Turm untergebracht. Erst Nachts ist er mir aufgefallen!
Nach Sousse geht's dann doch noch nach Kairouan - das hätten wir uns sparen können. Manch einer ist von dieser Stadt begeistert. Bei uns hat es aber nicht gefunkt. Schon bei der Stadteinfahrt war der Punkt erreicht, wo wir keinen Müll mehr sehen konnten. Und erstmals in Tunesien muss ich mich hinsichtlich einer Aussage korrigieren. Die Tunesier sind sehr zurückhaltend und man kann in einer Medina und durch Märkte schlendern ohne ständig belästigt zu werden. Keiner will dir dein Geld abknöpfen.
In Kairouan schon! Wir sind aus der Medina geflüchtet - die haben wirklich tolle Tricks auf Lager - "my friend - this is my House and Blabla" und wenn sie dann herausfinden, dass du aus Austria bist, dann haben plötzlich alle Freunde, Verwandte, etc. in Vienna - in der Mariahilferstrasse! Wir vermuten es gibt da spezielle Kurse für die Medina-Führer und Händler. Und dann kommt der "my friend" und "Little money for good luck and Blabla".
Die Marokkaner sind da plumper und direkter - weiss auch nicht was besser ist.
Tatsächlich haben wir das bis jetzt nur in Kairouan so erlebt.
Viel schneller als geplant verlassen wir Kairouan um wieder ans Meer zu fahren. Wir steuern den Yachthafen von Hammamet an. Hier scheint es ruhig, gemütlich und nett zu sein.
Der Kreis schließt sich - wir sind wieder in Tunis. Der Plan ist morgen nach Palermo zu fahren. Dieses Mal wird der Plan aber nicht von uns geändert. Aufgrund der Wettervorhersage ist morgen kein Fährbetrieb. Für Algerien ist Sturmwarnung und es sieht auch hier für morgen nicht gut aus. Der neue Plan ist nun am Freitag zu fahren - hoffentlich ist der Orkan dann weiter gezogen.
Erstmal sitzen wir hier in Afrika fest.
Ich nutze die Zeit um am Tunesien Teil2 Video zu arbeiten.
Aufgrund schlechten Wetters beschließen wir hier in Tunis zu bleiben und auf die Fähre zu warten. Hoffentlich fährt sie morgen - aber eine Fähre die nicht Fährt ist ihr Geld nicht wert ;-)
Aber wir nutzen die Zeit und besuchen die große Markthalle und Andi geht auch noch ins Museum.
Ich werde dann beinahe von der Polizei festgenommen. Mich faszinieren die total vergitterten Polizeiautos - also bei uns sperrt man die Verbrecher ein und hier die Polizisten ;-) Jedenfalls hat es der Polizei nicht gefallen, dass ich ihr Auto fotografiert habe - "interdit" - verboten! Dann sind gleich 4 Polizisten zusammengelaufen und ich musste vor ihnen die Fotos auf meinem Handy zeigen und jene mit Polizeiautos löschen. Dann wollte er noch den Papierkorb löschen, hat ihn aber beim iPhone nicht gefunden - also ist das Auto noch da ;-)
Ihm übrigen gibt es im Zentrum von Tunis jede Menge Taxis und nicht minder weniger Polizeiautos. Auch 2 kleine Panzerwagen waren stationiert - die wollte ich dann aber doch nicht fotografieren - da war das Militär davor.
Gott sei Dank sind wir nicht in Amerika - sonst wäre das Abenteuer womöglich nicht so gut ausgegangen - immerhin war ich ja mit einem Handy bewaffnet und hatte im Rucksack meinen Leatherman.
Aber Tunesien ist halt zivilisierter als die USA.
Heute gibt es Scampi und morgen hoffentlich eine nicht allzu wilde Überfahrt.
Unsicher, ob es eine gute Idee ist bei beinahe 10 Windstärken auf eine Fähre zu gehen fahren wir in den Hafen. Es geht schnell und um 16:00 sind wir bereits am Schiff. Die Ausreiseformalitäten waren nicht aufregend obwohl etwas chaotisch. Den Pass mussten wir geschätzte 10 mal vorzeigen. Auch gibt es im Vorfeld - also bevor man auf das Hafengelände kommt - schon zahlreiche selbsternannte "Einweiser" die alle für ihren Service Geld wollen.
Die letzten Cent werfen wir somit unters Volk und sind dann erstmal froh am Schiff zu sein. Unglaublicherweise geht es dann eine Stunde zu früh los! Das haben wir noch nie erlebt.
Im Hafen ist das Schiff noch halbwegs ruhig, aber schon nach kurzem beginnt die Schaukelei- gute Nacht!
Kommentar von der Andi - "War ja gar nicht so schlimm". Tatsächlich wankt sie immer noch und ist total zugedröhnt von den Medikamenten - also sie hat die Überfahrt verschlafen.
Ohne Drogen kann ich sagen - der Captain versteht sein Handwerk. Bei knapp 10 Windstärken und einer doch massiven Welle hat er den Kahn sanft durch navigiert. Es machte den Eindruck, dass er die schräg von hinten links (Backbord?) laufende Welle mit dem riesen Rostkahn abgesurft ist. Dann war für eine Minute alles ruhig, bis er offenbar wieder eine Welle überfahren musste, was aber dann mit starkem Schwanken und einem grollenden Donner verbunden war (hat die Andi so nicht wirklich mit bekommen). Zudem konnte man das Getöse des Sturms von draußen vernehmen.
Hört sich wild an - war auch wild und mir wurde schon kurz nach dem Auslaufen aus Tunis schlecht. Oje - wenn das so weitergeht, dann wird es eine lange und feuchte Überfahrt. Dann kamen mir drei Strategien zu Hilfe: 1. Entspannungsmusik hören, 2. Mit den Wellen links einatmen und rechts ausatmen im Rhythmus und 3. nicht am Rücken, sondern auf der Seite liegen. Das alles zusammen half und ich schlief ein.
Wach wurde ich um 03:00, denn da war kein Schwanken mehr zu vernehmen, der Sturm hatte sich verzogen und das Schiff fuhr ostwärts mit den Wellen. Da fehlt doch was! Ohne Wind und Welle konnte ich tatsächlich nicht mehr schlafen und ich war auch schon soweit ausgeschlafen und so wartete ich bis wir dann um 06:00 in Palermo einliefen.
Doch dann begann das Warten, zuerst auf das Pilot Boot - also wir standen 2km vorm Hafen rum und warteten. Später dann im Hafen haben wir angelegt und mussten noch eine Stunde auf's öffnen der Garage warten. Anscheinend war die Polizei/Zoll noch nicht bereit. Weder Polizei noch Zoll wollten irgendetwas von uns und für die Orea hat sich schon gar keiner interessiert.
Hafenausfahrt 08:30.
Juhu - back to Europe und jetzt Frühstücken in Monreale.
Erster Eindruck nach dem Wiedereintritt in die Europäische Atmosphäre: Schlechte Straßen, Enge Straßen, Regen, Kalt und ich scheine das Essen hier nicht mehr zu vertragen - Sodbrennen.
Somit Endet ein weiteres Kapitel unserer Auszeit. Nach dem Prolog in Kroatien, ist nun der Hauptteil der Reise abgeschlossen. Die restlichen 3 Montage finden sich nun im Epilog und sollten in Griechenland spielen ;-)
Also auf ein neues Kapitel!
Zurück in Italien haben wir Gabi und Sigi in Kalabrien besucht. Gabi meinte, dass sie aufgrund unserer Berichte dein Eindruck hat, dass Tunesien nicht so besonders toll gewesen war.
Daher möchte ich hier kurz ein Resümee ergänzen:
Wir waren von Tunesien sehr begeistert. Wir hatten keine großen Erwartungen aber wurden von diesem Land überrascht.
Positives:
Negativ
Reisezeit: Ich denke Jänner war perfekt. Im Dezember war wesentlich mehr los - Plätze teilweise voll. Im Februar beginnt der Ramadan und es ist dann alles zu! Ab Mai wird es zu heiss.
Thomas Hagauer
Email: Trig(at)hagauer.eu